0

Soziologie des Antiamerikanismus

Zur Theorie und Wirkmächtigkeit spätmodernen Unbehagens, Campus Forschung 967

36,90 €
(inkl. MwSt.)

Lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen

In den Warenkorb
Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593500577
Sprache: Deutsch
Umfang: 222 S., ca. 20 Tabellen
Format (T/L/B): 1.4 x 21.4 x 14.2 cm
Auflage: 1. Auflage 2014
Einband: Paperback

Beschreibung

InhaltsangabeInhalt Dank11 1.Einleitung13 1.1Gegenstand und Relevanz der Arbeit14 1.2Forschungsstand15 1.3Ziele der Arbeit20 1.4Zum Begriff des Antiamerikanismus21 1.5Inhaltliche Struktur der Arbeit24 2.Die Geschichte des Antiamerikanismus26 2.1Vorgeschichte27 2.2Die zweite Entdeckung Amerikas durch die Romantik28 2.3Die >Amerikanisierung< des Fin de Siècle34 2.4Weimar und Amerika40 2.5Der nationalsozialistische Antiamerikanismus43 2.6Deutscher Antiamerikanismus nach 194546 2.7Der neue Antiamerikanismus51 3.Zur Theorie des Antiamerikanismus54 3.1Antiamerikanismus als Rationalisierung sozialen Wandels58 3.1.1Sozialer Wandel als Naturprozess59 3.1.2Kognitive Dissonanz76 3.1.3Die kognitive Funktion des Antiamerikanismus79 3.2Antiamerikanismus als Projektion verleugneter Selbstanteile85 3.2.1Rationalität und Selbstbeherrschung86 3.2.2Verdrängung und Projektion104 3.2.3Die affektive Funktion des Antiamerikanismus108 3.3Exkurs 1: Zur funktionalen Äquivalenz antiamerikanischer und antisemitischer Einstellungen111 3.4Der Antiamerikanismus der Anderen: Die Bedeutung des sozialen Umfeldes116 3.4.1Geteiltes Wissen117 3.4.2Der strategische Nutzen moralischer Integrität119 3.4.3Soziale Identität119 3.5Faktoren antiamerikanischer Handlungen125 3.6Zusammenführung und Hypothesen131 4.Antiamerikanismus in Deutschland: Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung137 4.1Die Stichprobe138 4.2Operationalisierung, Indexbildung und univariate Ergebnisse141 4.2.1Variablen des Einstellungsmodells141 4.2.2Variablen des Handlungsmodells158 4.3Bivariate Analysen162 4.3.1Bivariate Zusammenhänge im Einstellungsmodell162 4.3.2Bivariate Zusammenhänge im Handlungsmodell169 4.4Multivariate Analysen173 4.4.1Multivariate Zusammenhänge im Einstellungsmodell174 4.4.2Multivariate Zusammenhänge im Handlungsmodell184 4.5Exkurs 2: Zur Permanenz antiamerikanischer Einstellungen - Eine Test-Retest-Studie187 5.Fazit und Diskussion194 5.1Zusammenfassung194 5.2Diskussion200 5.3Schluss203 Tabellenverzeichnis205 Abbildungsverzeichnis207 Literatur208

Autorenportrait

Heiko Beyer ist akademischer Rat auf Zeit an der Bergischen Universität Wuppertal.

Leseprobe

2.1 Vorgeschichte Es mag zunächst widersprüchlich erscheinen, wenn man die Geburt des Antiamerikanismus auf eine Zeit zurückdatiert, zu der die Vereinigten Staaten noch um ihre Unabhängigkeit rangen und weit davon entfernt waren, bedeutenden ökonomischen und politischen Einfluss in Europa zu besitzen. Es ist jedoch genau dieses Paradox, das ein wesentliches Element des Antiamerikanismus offenlegt: Statt um pragmatische Kritik handelt es sich beim Antiamerikanismus um eine Heuristik des Verstehens, die mehr über den Sprecher verrät als über das, wovon er spricht. So waren es denn auch kaum zufällig >Denkerinnen<, also europäische Philosophen, Gelehrte und Schriftstellerinnen, die sich Mitte des 18. Jahr-hunderts von Amerika abwandten. Philippe Roger (2005: 2ff.), der in sei-ner Geschichte des französischen Antiamerikanismus den >Prolog< der Amerikaaversion heraus gearbeitet hat, weist darauf hin, dass vor allem in den Zirkeln der Pariser Aufklärung, zu denen unter anderem Voltaire und Raynal gehörten, erstmalig eine vernichtende Einschätzung der Verhältnisse in Amerika formuliert wurde. Die einflussreichsten Autoren dieses frühen Antiamerikanismus waren der große französische Naturalist Comte de Buffon und der Niederländer Cornelius De Pauw, dessen Recherches philosophiques sur les Américains (1774 [1768]) 1799 bereits in der 11. Auflage erschienen (vgl. Roger 2005: 24). Das Leitmotiv von Buffons Gedanken zu Amerika (vgl. Buffon 1766), später aufgegriffen von De Pauw, findet man im Begriff der dégénération. Roger schreibt diesbezüglich: "What America's detractors found in Buffon's writings was thus the conjunction of a >climate< theory reformulated as strident physiological determinism, coupled with a set of >observations< that led to the conclusion of a lesser development or degeneration of all living things in America" (Roger 2005: 13). Der frühe Antiamerikanismus war somit wesentlich biologistisch kon-notiert. Die zoologischen und botanischen Anomalien der neuen Biosphä-re wurden unvermittelt auf die Menschen der Neuen Welt übertragen. Amerika wurde von Buffon, der selbst nie die Reise über den Atlantik angetreten hatte, als Ort des Verfalls und der Entartung, Tiere und Menschen wurden als unterentwickelt oder mutiert im Vergleich zu ihren europäischen >Artgenossen< beschrieben (vgl. ebd.: 12ff.). De Pauw (1774 [1768]), der von Roger (2005: 14) als "America['s] [.] Goya" bezeichnet wird, nimmt Buffons Kritik auf und radikalisiert sie, indem er eine Brücke zwischen klimatischen Bedingungen und sozialen Verhältnissen schlägt. Die europäischen Kolonisten seien zu Tieren degeneriert, die sich gegenseitig verschlingen und trotz aller Bestialität gleichsam asexuell und widernatürlich verhalten (vgl. ebd.: 14ff.). In den 1770ern wird dann nach und nach das antiamerikanische Vorurteil sowohl von der Naturgeschichte entkoppelt als auch durch Werke wie Raynals Histoire des deux Indes (2006 [1770]) einem breiteren Rezipientenkreis zugänglich gemacht (vgl. Roger 2005: 22). Letzteres gilt gleichermaßen für die von William Robertson publizierte und noch im Erscheinungsjahr 1777 ins Deutsche übersetzte History of America (1826 [1777]), die unter anderem auch den Deutschen Alexander von Humboldt beeinflusst haben soll (vgl. Roger 2005: 24; vgl. auch Brescius 2012). Größtenteils scheint sich die Vorgeschichte des Antiamerikanismus je-doch in Frankreich abgespielt zu haben. Aber selbst dort war der Antiamerikanismus in diesen frühen Jahren keineswegs gesellschaftlicher Common Sense. Er stellte ein Vorurteil der Gebildeten dar und sollte dies in den beiden folgenden Jahrhunderten wesentlich bleiben. 2.2 Die zweite Entdeckung Amerikas durch die Romantik Während sich der Antiamerikanismus der Naturalisten des 18. Jahrhunderts vordergründig mit der Biosphäre des neuen Kontinents beschäftigte und damit eben auch beiläufig mit Amerikanerinnen, insofern diese Bestandteile derselben waren, ihm aber eine explizite >ge

Weitere Artikel vom Autor "Beyer, Heiko"

Alle Artikel anzeigen